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Denkmal für Afrika

Kampf der Hereros

Kampf der Hereros

 Von Thilo Thielke

Es war eines der grausamsten Verbrechen deutscher Kolonialherren: Das Massaker an den Herero 1904 im heutigen Namibia. Ihre Führer fordern Entschädigung - die Erinnerung an den Massenmord prägt das Volk bis heute. Am Donnerstag debattiert der Bundestag das Thema.

Windhoek/Berlin - Wohin das Auge blickt, nichts als endlose Dornbuschsavanne und rote Erde. Seit Wochen hat es nicht geregnet. "Die Omaheke ist trocken wie zu Zeiten unserer Vorfahren", stöhnt Paramount Chief Kuaima Riruako, Herr über mehr als 400.000 Herero.

Dann schnauft ein von martialischen Reitern begleitetes Herero-Marschkommando in wilhelminischen Uniformen heran und hüllt den Häuptling zur Begrüßung in den feinen Sand des namibischen Hochlands.

Der Häuptling hat eine bedeutende Rede über die Verbrechen der Deutschen und die Forderung der Hereros angekündigt. Aus allen Landesteilen sind sie deshalb zusammengeströmt, die Männer in den alten grünen Waffenröcken, die an deutsche Zeiten erinnern sollen, und die Frauen in ihren schweren viktorianischen Kleidern. Jetzt stehen sie dort, wo Namibia bald endet und übergeht in die endlose und feindselige Kalahari-Wüste und wo vor langer Zeit ihre Vorfahren einen grausamen Tod starben.

"Der Moment der Genugtuung ist nah", ruft Riruako, 67, mit sich überschlagender Stimme der wartenden Menge zu, "die Deutschen werden ihre Schuld anerkennen müssen, das ist ein historischer Moment." Der Chief hat vor dem "Superior Court of the Destrict of Columbia" in Washington Klage gegen die Bundesrepublik eingereicht. Es geht um zwei Milliarden Dollar Entschädigung wegen versuchten Völkermords durch die Schutztruppen des Kaiserreichs. Das Verbrechen, dessen Riruako Deutschland bezichtigt, geschah im Jahr 1904.

 "Mütter trugen ihre sterbenden Säuglinge auf dem Rücken" Riruako blickt in die in der Mittagsglut flirrende Senke, wo damals die Herero zu Zehntausenden auf der Flucht vor der deutschen Schutztruppe grausam verdursteten. Er sagt: "Hier starb unser Volk."

Und die Männer und Frauen, die vor ihm sitzen und der Rede andächtig lauschen, als säßen sie in einem Gottesdienst, tragen nicht nur deutsche Uniformen und deutsche Kleider, sondern auch deutsche Namen. Sie sind pechschwarz und heißen Hans oder Fritz oder Hermann.

Historische und moralische Verantwortung der Bundesregierung Deutschlands

Mit der Ablehnung des Antrags der Fraktion Die Linke für die Anerkennung der von Deutschland begangenen Völkermorden im damaligen Deutsch-Südwestafrika (heutige Namibia) und der Ablehnung der Wiedergutmachung für die Opfer dieser Greueltaten durch den deutschen Bundestag mit den Stimmen der CDU/CSU, SPD und FDP...

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Kontroverse über den Umgang mit Opfern der deutschen Kolonialherrschaft

Der Bundestag hat am Donnerstagabend kontrovers über den Umgang mit Opfern der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia debattiert. Einen Antrag der Linksfraktion, das Recht der Herero und Nama auf Wiedergutmachung anzuerkennen, lehnten die übrigen Fraktionen ab. Der Staatsminister für Europa, Günter Gloser (SPD), betonte, die deutsche Entwicklungshilfe für Namibia sei deutlich höher als für jedes andere afrikanische Land. Die Bundesregierung wolle «im Bewusstsein der gemeinsamen Vergangenheit» zur Zukunft des südafrikanischen Landes beitragen.

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